0: „Auf Wiedersehen meine Schäfchen“ – Ein Interview zum Abschied von Herrn Pump

Es ist geschafft! Die Ferien stehen unmittelbar vor der Tür. Jetzt heißt es erstmal für sechs Wochen: entspannen und erholen. Für Herrn Pump könnte dies nun dauerhaft die Devise sein. Nach vielen Jahre als Lehrer am Bergstraßen-Gymnasium verabschiedet er sich mit Beginn der Sommerferien in den wohlverdienten Ruhestand. Wie er uns in seinem Abschiedsinterview verraten hat, will er die Zeit nach der Schule aber gar nicht so ruhig angehen… 

 

Steckbrief

Alter: 65

Wohnort: Mörlenbach

Lieblingsessen: Magret de Canard

Lieblingsreiseziel: Paris

Lieblingsfach (als Schüler): Englisch

Hassfach (als Schüler): Sport

Hobbys: Geschichte

Charakter: bodenständig, sorgfältig, ehrlich

 

Interview

Warum wollten Sie Lehrer werden?

Weil ich das schon immer werden wollte. Ich habe schon als Kind immer Lehrer und Schüler gespielt.

Haben sich die Erwartungen, die Sie an das Lehrer sein hatten, erfüllt? Und würden Sie noch einmal Lehrer werden wollen?

Ja, die Erwartungen haben sich voll erfüllt und ich würde es auch noch einmal machen, denn Lehrer sein war für mich kein Job, nicht einmal Beruf, sondern ich empfinde es als Berufung.

Gab es Phasen in denen es Ihnen in Ihrem Beruf langweilig wurde?

Nein.

Erzählen Sie uns eine lustige Geschichte, die Sie hier an der Schule erlebt haben!

Ich habe mit meiner 10. Klasse über Wochen und Monate „Verres“ gelesen. Verres war ein römischer Stadthalter auf Sizilien. Über „Verres“ wurde dann eine Interpretationsarbeit geschrieben. Ein Schüler hat statt „Verres“ immer „Virus“ geschrieben und hat gedacht, „Verres“ sei nicht etwas wie eine Person, sondern wie Viren oder Bakterien. Und dann fragt man sich: Wozu war der monatelange Lateinunterricht gut, was ist überhaupt beim Schüler angekommen?

Können Sie sich noch an die schlimmste Schulstunde Ihres Lebens erinnern?

Zum einen war es eine Lehrprobe. Da habe ich meine Folie nicht mehr gefunden. Sie ist nicht mehr aufgetaucht, obwohl sie irgendwo in dem dicken Ordner war, den ich immer dabei habe. Das andere war, als ich mal bei einer 6. Klasse kurz zum Kopieren weg war, ist jemand aus dem Fenster gesprungen, da habe ich beinahe einen Herzinfarkt bekommen. Wie sich dann herausgestellt hat, war er aber gar nicht aus dem Fenster gesprungen, er hatte sich nur hinter dem Kleiderständer versteckt.

Gab es Dinge in Ihrem Beruf, die Sie im Nachhinein anders handhaben würden?

Ich würde vielleicht bei manchen Schülern strengere Noten geben, zu ihrem Vorteil eigentlich. Bei vielen wäre es, wenn ich bei 4,5 sage, dass das noch irgendwie die 4 gibt, damit er durchkommt, besser gewesen, er hätte die 5 bekommen und wäre sitzen geblieben. Das wäre für’s Leben besser gewesen, das hätte vielen gut getan. Es war ein paar Mal so…

Gibt es Dinge an dieser Schule, die Sie gerne verändern würden?

Ja, ich hätte gerne Schuluniformen, auch wenn es nicht durchführbar ist. Heute ist es zwar nicht mehr so problematisch, aber früher gab es Phasen, da haben Markenklamotten eine große Rolle gespielt und wenn sich jemand keine Markenklamotten leisten konnte, wurde er ‚gemobbt‘. Außerdem bildet es ein Zusammengehörigkeitsgefühl der ganzen Schule.

Welche Veränderungen haben Sie in Ihren Berufsjahren an den Schülern und der Schule beobachtet?

Früher bin ich in Geschichte oft ins Schleudern gekommen, durch die Fragen der Schüler. Heute komme ich nicht mehr ins Schleudern, aber die Schüler stellen auch keine Fragen mehr. Das Interesse dafür fehlt einfach, und wenn sie doch eine Frage haben, können sie es schnell googlen. Viele waren z. B. auch schon in Ägypten oder haben eine Doku bei TerraX gesehen.

Was glauben Sie, macht Sie zu einem guten Lehrer?

Ich hoffe, meine Nächstenliebe. Auf das Wort lege ich ja auch im Unterricht immer viel Wert. Das heißt nicht, dass man jeden umarmen muss, aber einfach den anderen respektieren, schätzen und das Beste für ihn wollen, dass die Menschen sich entfalten können, und man sie auf ihren eigenen Weg führt, mit dem es ihnen gut geht.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Ich gehe ja nicht in RUHESTAND, ich ändere meine Tätigkeit und arbeite weiter, also ich werde mich nicht auf die faule Haut legen.

 

Lieber Herr Pump, wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen für die Zeit nach der Schule alles Gute!

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